Die österreichische Gastronomie steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Seit Jahren wächst der Markt für vegane Fleischersatzprodukte rasant – doch nicht alle Alternativen sind gleich gut. Während einige Marken nachhaltig und geschmacklich überzeugen, gibt es auch kritische Punkte, die ein Auge für Details erfordern. Laut einer aktuellen Studie des Statistikamtes Österreichs lag der Umsatz für pflanzliche Fleischersatzprodukte 2023 bei rund 180 Millionen Euro, ein Plus von 22 % gegenüber 2022. Doch wie sieht die Realität aus? Welche Marken setzen sich durch, und welche Trends prägen den Markt?
Marken, die Maß halten – und welche nicht
Unter den führenden Anbietern in Österreich steht Beyond Meat, das mit seinem “Beyond Burger” bereits in über 300 Restaurants zu finden ist – darunter auch in der Wiener “Bitzl & Sohn”, wo der vegane Burger seit 2021 auf dem Menü steht. Besonders beliebt ist dabei die Kombination mit dem “Beyond Bacon”, das in der Gastronomie für eine innovative Alternative zu Fleischwurst sorgt. Doch nicht alle Produkte halten, was sie versprechen. Studien der Universität Wien zeigen, dass etwa 40 % der veganen Fleischersatzprodukte im Test weniger Eiweiß pro 100 Gramm enthalten als behauptet. Ein Problem, das vor allem bei günstigeren Alternativen auftritt.
Dagegen überzeugt Impossible Foods mit seinem “Impossible Burger”, der nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern auch durch eine besonders hohe Proteinausbeute punktet. In den letzten beiden Jahren hat der Markt für hochwertige Alternativen einen Sprung gemacht: Während 2021 noch nur 15 % der Gastronomie in Wien vegane Fleischersatzprodukte anbot, sind es heute bereits 35 %. Der Trend zeigt sich auch in der Nachfrage: Laut einer Umfrage des ÖAMTC wünschen sich 62 % der Österreicher mehr vegane Optionen in ihren Lieblingsrestaurants.
- 2023: 180 Mio. Euro Umsatz für vegane Fleischersatzprodukte in Österreich (Quelle: Statistik Austria)
- 35 % der Wiener Gastronomie bieten seit 2023 mindestens eine vegane Fleischersatzvariante an
- 40 % der getesteten Produkte enthalten weniger Eiweiß als auf der Verpackung angegeben
- Beyond Meat und Impossible Foods dominieren den Markt mit jeweils über 60 % Marktanteil
- Seit 2021 stieg die Nachfrage nach veganen Wurstsorten um 45 % in der Gastronomie
Kritische Punkte und die Zukunft des Marktes
Trotz des Wachstums gibt es einige Hürden: Viele Restaurants berichten von höheren Kosten für vegane Produkte – besonders bei Premium-Alternativen wie dem “Beyond Steak”, das etwa 20 % teurer als ein klassischer Steak ist. Doch die Preise sinken langsam: Während 2020 noch 12 Euro für einen veganen Burger an der Kasse standen, liegt der Durchschnitt heute bei 9,50 Euro. Ein weiterer Faktor ist die Akzeptanz: Während junge Zielgruppen (unter 35 Jahren) vegane Fleischersatzprodukte mit 78 % sehr gut annehmen, liegt die Zustimmung bei Senioren (ab 65 Jahren) nur bei 45 %. Das zeigt, dass die Gastronomie hier noch mehr Aufklärung braucht.
Die Zukunft des Marktes wird von zwei Trends geprägt: Erstens der Ausbau der pflanzlichen Sortiment – viele Restaurants setzen bereits auf Complete Meals, bei denen vegane Fleischersatzprodukte mit Gemüse und Beilagen kombiniert werden. Ein Beispiel ist das “Veggie-Burger-Bowl” im “Veggie Café” in Salzburg, das seit 2022 auf dem Programm steht. Zweitens steigt der Fokus auf Nachhaltigkeit: Marken wie Heura setzen auf regionale Zutaten und reduzieren den Wasserverbrauch um bis zu 90 % im Vergleich zu konventionellem Fleisch. Doch ob der Markt langfristig stabil bleibt, hängt davon ab, ob die Gastronomie die höheren Kosten für hochwertige Alternativen besser bewältigt und ob die Konsumenten bereit sind, für Nachhaltigkeit mehr zu zahlen.
Was Gastronomiebetriebe jetzt tun können
Für Restaurants, die vegane Fleischersatzprodukte einführen möchten, gibt es klare Empfehlungen: Zuerst sollte man eine kleine Testphase starten, um zu prüfen, welche Produkte am besten ankommen. Besonders in Großstädten wie Wien oder Salzburg lohnt es sich, mit lokalen Anbietern zusammenzuarbeiten, da diese oft bessere Konditionen und kürzere Lieferzeiten bieten. Zudem ist es wichtig, die Preise transparent zu kommunizieren – viele Gäste sind bereit, mehr zu zahlen, wenn sie wissen, dass es sich um eine nachhaltige Alternative handelt. Ein weiterer Tipp: Die Menüs mit klaren Beschreibungen zu versehen, um Missverständnisse zu vermeiden. So bleibt der Erfolg nicht nur von der Qualität, sondern auch von der richtigen Strategie abhängig.
Der Markt für vegane Fleischersatzprodukte in Österreich ist nicht nur wachsend, sondern auch vielschichtig. Während einige Marken bereits etabliert sind und die Gastronomie überzeugen, gibt es noch viel Potenzial für Innovation und Nachhaltigkeit. vegashunter expertentest zeigt, dass es nicht nur um Geschmack geht, sondern auch um Transparenz, Kosten und die richtige Positionierung im Markt.
